2018 las ich einen Artikel von Gemma Hartley, in dem es um „die unsichtbare Arbeitsbelastung von Frauen“ ging: Sie nannte es „Invisible Labour“ oder auch „Emotional Labour“. Ich hatte diesen Begriff so noch nie gehört – aber er fasste perfekt ein Gefühl zusammen, das ich seit Jahren hatte, aber so einfach nicht in Worte fassen konnte.

Was genau ist diese unsichtbare Arbeitsbelastung?

In vielen Partnerschaften sind das trotz vermeintlicher Gleichberechtigung die zusätzlichen Aufgaben, die Frauen nebenher schultern, um sicherzustellen, dass der Haushalt reibungslos läuft und die anderen Menschen sicher, gepflegt und gut leben. Das Nervige: Oft passiert diese Art der Arbeit für den Rest der Familie unsichtbar, sie frisst Zeit und Nerven. Daher wird dieses Phänomen “Invisible labour” genannt – oder auch “emotional labour”, weil Frauen oft die Rolle der Kümmerin einnehmen, auch wenn es sicherlich Männer gibt, die es in ihren Beziehungen genau umgekehrt erleben.

Oft übernehmen wir diese zusätzliche Arbeitsbelastung unbewusst – automatisch – ohne zu bemerken, dass wir dies tun. Wir machen es einfach. Denn wenn nicht wir, wer sonst?

Beispiele für die Übernahme der unsichtbaren Arbeitslast?

  • Die einzige Person im Haushalt zu sein, die sich daran erinnert, Toilettenpapier zu kaufen und auch nachzufüllen, wenn es knapp wird.
  • Die Hoheit über Haushaltsinformationen zu haben (“Schatz, wo bewahren wir die Staubsaugerbeutel auf?”, “Mama, wo ist meine Badehose?”, “Wo ist der zusätzliche Satz Wohnungsschlüssel?”).
  • Geburtstage, Arzttermine und all die anderen kleinen logistischen Details des Lebens im Auge zu behalten.
  • Und es ist all die mentale Energie, die Du jeden Tag aufwendest, um deine Familie zu ernähren, zu kleiden, unterzubringen, zu organisieren – oder schlichtweg auch Mut zu machen vor einer schwierigen Aufgabe, zu trösten, wenn etwas schiefgegangen. Das Kühlpad rauszusuchen, wenn es eine Beule gibt.

Viele Frauen haben nicht einen, nicht zwei, sondern drei Vollzeitjobs

Kindererziehung, Karriere im Job und dann die unsichtbare Arbeitsbelastung zuhause – kein Wunder, dass so viele Frauen andauernd so erschöpft sind!

Und ganz ehrlich: Corona hat es nicht besser gemacht.

Mit dem Lockdown im Frühjahr ist die gesamte Infrastruktur für Kinder weggebrochen ist. Eltern waren auf einmal Lehrerinnen und Lehrer plus Sporttrainer oder mussten auch noch den Freundeskreis ersetzen. Bei der Verteilung der Arbeitszeit habe ich in vielen Familien beobachtet, dass die Arbeitszeiten nicht gleich verteilt waren zwischen Männern und Frauen. Irgendwie kommen da so Ideen hoch, dass wir nur dann Gerechtigkeit zwischen Männern und Frauen erwarten können, wenn sich Frauen vollständig einer männlichen Erwerbsbiografie anpassen, d.h. ununterbrochen Vollzeit arbeiten. Ganz ehrlich: Das ist mit Kindern, mit pflegebedürftigen Angehörigen und der ganzen Hausarbeit gar nicht möglich.

Und so waren wir – schwuppdiwupp – in diesem Jahr wieder ganz schnell in traditionellen Geschlechterrollen unterwegs: Er bekam das Arbeitszimmer und die geschlossene Tür für seine Telefonkonferenzen, weil er mehr verdient. Sie bekam den Esstisch zum Arbeiten, die Kinder um sie herum und sie kann ja auch abends noch mal arbeiten, wenn die Kinder im Bett sind.

Ein Beispiel aus meiner letzte Woche? Morgens beim Aufstehen wird klar: Max hat sich im Schwimmbad erkältet und hustet. In Corona-Zeiten bedeutet das, nicht zur Schule zu gehen, bis das Kind wieder symptomfrei ist.

Jörg und ich kucken uns an. Er hat „externe“ Telefonkonferenzen mit mehreren Teilnehmern und eine Produktionsphase in seinem aktuellen Projekt. Ich habe die Arbeit an meinem Website-Relaunch. Ich muss also meine Arbeit schieben.

Nach 10 Tagen geht Max endlich wieder in die Schule. Ich habe in den letzten 10 Tagen Coaching-Termine verlegt und virtuell durchgeführt, Videodrehs gemacht, Webinare vorbereitet, parallel Max bekocht, gepflegt, schulischen Stoff nachgeholt und Hausaufgaben begleitet, den Haushalt gemacht (ich war ja eh da). Und mit Felix nachmittags noch mal dasselbe.

Mein Mann war in diesen Tagen einkaufen und hat die Geschirrspülmaschine ausgeräumt.

Wisst ihr, was mir jetzt klar geworden ist? In dem Moment, wo ich bereitwillig am ersten Tag meinen Kalender geräumt hatte, habe ich auch die nächsten Tage schon im Blick und habe frühzeitig alles umgestellt, um MICH auf diese neue Situation einzustellen und trotzdem einigermaßen meine Sachen hinzubekommen. Obwohl die nächsten Tage bei mir auch externe Termine mit Klienten, mit Projektpartnern und anderen vorgesehen haben, habe ich das nicht neu mit meinem Mann verhandelt. Wir haben einfach so weitergemacht. Wie bequem für ihn. Und wie aufreibend für mich.

Und das ist etwas, da können wir ran.

Um die unsichtbare Arbeitsbelastung zu verringern, haben wir mehr Möglichkeiten!

  1. Mach’ dir die Momente bewusst, in denen du auf Autopilot schaltest und einfach die zusätzliche Arbeit übernimmst. Hör auf damit.
  2. Delegiere zusätzliche Arbeit an deinen Partner und deine Kinder. Sie sollten genauso viel unsichtbare Arbeit leisten wie du. Und ja: Bei uns funktioniert das nur mit sehr klaren Ansagen, dezente Hinweise werden nicht verstanden (Vielleicht ist es auch an der Zeit, Unterstützung für den Haushalt zu suchen).
  3. Nutze diese Sätze täglich in deinem Wortschatz:
  • “Du kannst damit umgehen.”
  • “Das kannst Du selbst herausfinden.”
  • “Mein Telefon ist auf stumm geschaltet, während ich arbeite.”
  • “Bitte unterbrich mich nicht, es sei denn, es geht um Leben und Tod.”
  • „Ich vertraue darauf, dass Du die richtige Entscheidung triffst. Wirklich. Du musst mich nicht fragen. “
  • “Am Kühlschrank befindet sich eine Liste wichtiger Haushaltsinformationen und Telefonnummern. Bitte lies das zuerst, anstatt mich zu unterbrechen, während ich arbeite. “
  1. Hab‘ Geduld mit dir. Wenn du weiblich bist, hast du höchstwahrscheinlich eine tief verwurzelte Tendenz, alles fallen zu lassen, deine eigenen Bedürfnisse zu ignorieren und andere Menschen an die erste Stelle zu setzen. Es braucht Zeit, um sich von dieser Gewohnheit freizumachen. Ich arbeite noch daran. Aber es wird einfacher.

Je mehr du das Gewicht dieser unsichtbaren Arbeit verringern kannst, desto besser wirst du dich fühlen.

Du wirst mehr Energie haben. Mehr Zeit für dich und deine Ziele. Mehr Kapazität, um dich auf Dinge zu konzentrieren, die wirklich wichtig sind – wie die Frage, was du eigentlich wirklich machen möchtest und wie du dahinkommst. Oder wie du dein Einkommen steigern kannst, wie dein Business wachsen kann oder wie du wirklich etwas ändern kannst auf dieser Welt, etwas von dem du fest überzeugt bist, dass es nicht in Ordnung ist.

Wie kannst du diese Woche deine unsichtbare Arbeitsbelastung reduzieren?

PS: Wenn Männer dies lesen … bevor du zu mir kommst und jammerst und darauf bestehst: “Aber wir haben auch eine unsichtbare Arbeitsbelastung!” … ja, natürlich habt ihr die! Männer erledigen auch Hausarbeiten, Einkäufe und emotionale / mentale / logistische Arbeit. (Danke. Weiter so. Macht mehr davon.)

Ja, Männer helfen aus. Und einige Männer helfen richtig viel. Aber: Statistiken zeigen, dass Frauen deutlich mehr Hausarbeit leisten als Männer. Ja, auch heute noch. Fast Dreiviertel der Frauen arbeiten täglich im Haushalt, bei Männern sind das weniger als ein Drittel. Einige Forscher nennen dies „die geschlechtsspezifische Kluft bei der Hausarbeit“.

https://de.statista.com/infografik/15857/verteilung-von-hausarbeit-bei-maennern-und-frauen/

2018 las ich einen Artikel von Gemma Hartley, in dem es um „die unsichtbare Arbeitsbelastung von Frauen“ ging: Sie nannte es „Invisible Labour“ oder auch „Emotional Labour“. Ich hatte diesen Begriff so noch nie gehört – aber er fasste perfekt ein Gefühl zusammen, das ich seit Jahren hatte, aber so einfach nicht in Worte fassen konnte.

Was genau ist diese unsichtbare Arbeitsbelastung?

In vielen Partnerschaften sind das trotz vermeintlicher Gleichberechtigung die zusätzlichen Aufgaben, die Frauen nebenher schultern, um sicherzustellen, dass der Haushalt reibungslos läuft und die anderen Menschen sicher, gepflegt und gut leben. Das Nervige: Oft passiert diese Art der Arbeit für den Rest der Familie unsichtbar, sie frisst Zeit und Nerven. Daher wird dieses Phänomen “Invisible labour” genannt – oder auch “emotional labour”, weil Frauen oft die Rolle der Kümmerin einnehmen, auch wenn es sicherlich Männer gibt, die es in ihren Beziehungen genau umgekehrt erleben.

Oft übernehmen wir diese zusätzliche Arbeitsbelastung unbewusst – automatisch – ohne zu bemerken, dass wir dies tun. Wir machen es einfach. Denn wenn nicht wir, wer sonst?

Beispiele für die Übernahme der unsichtbaren Arbeitslast?

  • Die einzige Person im Haushalt zu sein, die sich daran erinnert, Toilettenpapier zu kaufen und auch nachzufüllen, wenn es knapp wird.
  • Die Hoheit über Haushaltsinformationen zu haben (“Schatz, wo bewahren wir die Staubsaugerbeutel auf?”, “Mama, wo ist meine Badehose?”, “Wo ist der zusätzliche Satz Wohnungsschlüssel?”).
  • Geburtstage, Arzttermine und all die anderen kleinen logistischen Details des Lebens im Auge zu behalten.
  • Und es ist all die mentale Energie, die Du jeden Tag aufwendest, um deine Familie zu ernähren, zu kleiden, unterzubringen, zu organisieren – oder schlichtweg auch Mut zu machen vor einer schwierigen Aufgabe, zu trösten, wenn etwas schiefgegangen. Das Kühlpad rauszusuchen, wenn es eine Beule gibt.

Viele Frauen haben nicht einen, nicht zwei, sondern drei Vollzeitjobs

Kindererziehung, Karriere im Job und dann die unsichtbare Arbeitsbelastung zuhause – kein Wunder, dass so viele Frauen andauernd so erschöpft sind!

Und ganz ehrlich: Corona hat es nicht besser gemacht.

Mit dem Lockdown im Frühjahr ist die gesamte Infrastruktur für Kinder weggebrochen ist. Eltern waren auf einmal Lehrerinnen und Lehrer plus Sporttrainer oder mussten auch noch den Freundeskreis ersetzen. Bei der Verteilung der Arbeitszeit habe ich in vielen Familien beobachtet, dass die Arbeitszeiten nicht gleich verteilt waren zwischen Männern und Frauen. Irgendwie kommen da so Ideen hoch, dass wir nur dann Gerechtigkeit zwischen Männern und Frauen erwarten können, wenn sich Frauen vollständig einer männlichen Erwerbsbiografie anpassen, d.h. ununterbrochen Vollzeit arbeiten. Ganz ehrlich: Das ist mit Kindern, mit pflegebedürftigen Angehörigen und der ganzen Hausarbeit gar nicht möglich.

Und so waren wir – schwuppdiwupp – in diesem Jahr wieder ganz schnell in traditionellen Geschlechterrollen unterwegs: Er bekam das Arbeitszimmer und die geschlossene Tür für seine Telefonkonferenzen, weil er mehr verdient. Sie bekam den Esstisch zum Arbeiten, die Kinder um sie herum und sie kann ja auch abends noch mal arbeiten, wenn die Kinder im Bett sind.

Ein Beispiel aus meiner letzte Woche? Morgens beim Aufstehen wird klar: Max hat sich im Schwimmbad erkältet und hustet. In Corona-Zeiten bedeutet das, nicht zur Schule zu gehen, bis das Kind wieder symptomfrei ist.

Jörg und ich kucken uns an. Er hat „externe“ Telefonkonferenzen mit mehreren Teilnehmern und eine Produktionsphase in seinem aktuellen Projekt. Ich habe die Arbeit an meinem Website-Relaunch. Ich muss also meine Arbeit schieben.

Nach 10 Tagen geht Max endlich wieder in die Schule. Ich habe in den letzten 10 Tagen Coaching-Termine verlegt und virtuell durchgeführt, Videodrehs gemacht, Webinare vorbereitet, parallel Max bekocht, gepflegt, schulischen Stoff nachgeholt und Hausaufgaben begleitet, den Haushalt gemacht (ich war ja eh da). Und mit Felix nachmittags noch mal dasselbe.

Mein Mann war in diesen Tagen einkaufen und hat die Geschirrspülmaschine ausgeräumt.

Wisst ihr, was mir jetzt klar geworden ist? In dem Moment, wo ich bereitwillig am ersten Tag meinen Kalender geräumt hatte, habe ich auch die nächsten Tage schon im Blick und habe frühzeitig alles umgestellt, um MICH auf diese neue Situation einzustellen und trotzdem einigermaßen meine Sachen hinzubekommen. Obwohl die nächsten Tage bei mir auch externe Termine mit Klienten, mit Projektpartnern und anderen vorgesehen haben, habe ich das nicht neu mit meinem Mann verhandelt. Wir haben einfach so weitergemacht. Wie bequem für ihn. Und wie aufreibend für mich.

Und das ist etwas, da können wir ran.

Um die unsichtbare Arbeitsbelastung zu verringern, haben wir mehr Möglichkeiten!

  1. Mach’ dir die Momente bewusst, in denen du auf Autopilot schaltest und einfach die zusätzliche Arbeit übernimmst. Hör auf damit.
  2. Delegiere zusätzliche Arbeit an deinen Partner und deine Kinder. Sie sollten genauso viel unsichtbare Arbeit leisten wie du. Und ja: Bei uns funktioniert das nur mit sehr klaren Ansagen, dezente Hinweise werden nicht verstanden (Vielleicht ist es auch an der Zeit, Unterstützung für den Haushalt zu suchen).
  3. Nutze diese Sätze täglich in deinem Wortschatz:
  • “Du kannst damit umgehen.”
  • “Das kannst Du selbst herausfinden.”
  • “Mein Telefon ist auf stumm geschaltet, während ich arbeite.”
  • “Bitte unterbrich mich nicht, es sei denn, es geht um Leben und Tod.”
  • „Ich vertraue darauf, dass Du die richtige Entscheidung triffst. Wirklich. Du musst mich nicht fragen. “
  • “Am Kühlschrank befindet sich eine Liste wichtiger Haushaltsinformationen und Telefonnummern. Bitte lies das zuerst, anstatt mich zu unterbrechen, während ich arbeite. “
  1. Hab‘ Geduld mit dir. Wenn du weiblich bist, hast du höchstwahrscheinlich eine tief verwurzelte Tendenz, alles fallen zu lassen, deine eigenen Bedürfnisse zu ignorieren und andere Menschen an die erste Stelle zu setzen. Es braucht Zeit, um sich von dieser Gewohnheit freizumachen. Ich arbeite noch daran. Aber es wird einfacher.

Je mehr du das Gewicht dieser unsichtbaren Arbeit verringern kannst, desto besser wirst du dich fühlen.

Du wirst mehr Energie haben. Mehr Zeit für dich und deine Ziele. Mehr Kapazität, um dich auf Dinge zu konzentrieren, die wirklich wichtig sind – wie die Frage, was du eigentlich wirklich machen möchtest und wie du dahinkommst. Oder wie du dein Einkommen steigern kannst, wie dein Business wachsen kann oder wie du wirklich etwas ändern kannst auf dieser Welt, etwas von dem du fest überzeugt bist, dass es nicht in Ordnung ist.

Wie kannst du diese Woche deine unsichtbare Arbeitsbelastung reduzieren?

PS: Wenn Männer dies lesen … bevor du zu mir kommst und jammerst und darauf bestehst: “Aber wir haben auch eine unsichtbare Arbeitsbelastung!” … ja, natürlich habt ihr die! Männer erledigen auch Hausarbeiten, Einkäufe und emotionale / mentale / logistische Arbeit. (Danke. Weiter so. Macht mehr davon.)

Ja, Männer helfen aus. Und einige Männer helfen richtig viel. Aber: Statistiken zeigen, dass Frauen deutlich mehr Hausarbeit leisten als Männer. Ja, auch heute noch. Fast Dreiviertel der Frauen arbeiten täglich im Haushalt, bei Männern sind das weniger als ein Drittel. Einige Forscher nennen dies „die geschlechtsspezifische Kluft bei der Hausarbeit“.

https://de.statista.com/infografik/15857/verteilung-von-hausarbeit-bei-maennern-und-frauen/